Die Idee
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- Kategorie: Nordkaptour_bericht
- Veröffentlicht am Sonntag, 28. August 2011 19:31
- Geschrieben von Super User
„Du hast ´nen Knall“ ist Bärbels Antwort auf die Idee mit dem Mofa ans Nordkap zu fahren.
3 Jahre später sitzen wir mit frisch renovierten Mopeds auf der Fähre nach Göteborg, um aus Zeitgründen von dort aus, schlappe 2500 km durch Schweden, Finnland und Norwegen, ans Kap zu gurken.
Der Weg ist einfach. Senkrecht Richtung Norden. 5 Wochen Abenteuer.
Um zu erklären wie ich auf die Idee kam, muss ich ein wenig ausholen.
Schon länger hatten wir uns die bequeme Art des langsamen Reisens zu Eigen gemacht. Wir eiern schon seit Jahren mit dem Mofa durch die Eifel und den Westerwald. Jedes Jahr eine Woche lang Jugendträume erfüllen z.B. nach Trier oder zum Dreifelder Weiher, zu den Maaren oder zu den Burgen an der Mosel. Ist ja bekanntlich ähnlich wie Schweden und die Sprache ist für meine Ohren auch ähnlich unverständlich. Aber mit Englisch kommt man ja bekanntlich überall weiter.
Als ich eines Tages das Internet bemühte, um herauszufinden ob es noch andere Mofa fahrende Menschen gibt die längere Touren machen, stieß ich auf die Webseite www.30kmh.ch, einen Blog von 2 schweizer Jungs die mit dem „Töffli“ ans Nordkap gefahren waren und hier berichteten. „Teufel auch, was eine abgefahrene Idee. Ich will das sofort auch."
Der Bärbel erzählt, oben genannte Antwort bekommen, Idee beerdigt.
Ebenfalls nicht zuträglich für diesen Gedanken waren so ziemlich alle unsere Freunde, die kopfschüttelnd außer ein „jaja aber…“ keine konstruktiven Anmerkungen zu diesem existentiell wichtigen Thema beizutragen hatten. Aber eines Tages kamen Freunde zu Besuch, die sofort wie aus einem Munde sagten: "Dürfen wir mit?“
Diese, endlich durch andere begeisterte Menschen unterstützende Bemerkung und die immer wiederkehrende, gebetsmühlenartige neurolinguistische Programmierung meiner geliebten Ehegattin sorgten schließlich dafür, dass sie ebenfalls eine gewisse Begeisterung an den Tag legen konnte. „OK, wenn der Kleine seine Lehre beendet hat können wir los“ war ihre Antwort nach Monaten der Bequatschungen.
„Scheiße, das ist in 3 Jahren!“
Und dieses Jahr waren die Jahre des Wartens endlich um und ich hatte die Tour nicht vergessen obwohl in der Zwischenzeit eine Menge Wasser den Rhein runtergelaufen war.
Die Vorbereitungen
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- Veröffentlicht am Sonntag, 28. August 2011 19:33
- Geschrieben von Super User
Anfang des Jahres machte ich mich also auf, um mit ein wenig Hilfe des Bikedoctors von der Harley Davidson Fraktion, die Feuerstühle wildnistauglich zu machen. Es wurden neue Dichtungen eingebaut, Radlager gewechselt, Tanks vergrößert, Ketten erneuert, Vergaser gereinigt und Speichen geputzt.
Und dann standen Sie da, strahlend vor Sauberkeit, strotzend vor Kraft wie frisch aus dem Ladenlokal entführt.
Man glaubt ja kaum was man als Technik affiner Mensch nicht alles in Outdoorläden erstehen kann um sich das Leben in der Wildnis so angenehm wie in einem 4 Sterne Hotel zu gestalten. Als erstes musste natürlich das Garmin 62st mit topografischen Karten von so ziemlich ganz Europa, in der sogar Waldwege eingearbeitet sind, her. Dann die neue Therm-a-Rest Matte, deren Packmaß jenes eines Kondoms nicht übersteigt und neue Schlafsäcke, die dank Daunenfedern hochkomprimierbar sind sich aber dennoch, auch bei -20 Grad, locker in der Komfortzone befinden.
Nach einer Testtour, bei der es Hunde und Katzen hagelte, bemerkte Bärbel während sie Wasser aus ihrem Schuh goss: „Gut dass wir das noch mal getestet haben bevor es ernst wird. Die Fahrradregenklamotten sind genau nicht tauglich für unser Vorhaben“…..So kommt man zu einem funkelnagelneuen Regenkombi.
„Was wollen Sie denn damit?“ Fragt die Dame bei Polo als ich ihr die wasserdichten, atmungsaktiven, vollgefütterten Wintermotoradhandschuhe bei 25 Grad im Schatten auf den Tresen lege.
„Ans Nordkap“.....„ Ach so, na dann….“.
Das Herzstück einer solchen amundsengleichen Expedition ist aber der Anhänger!
Nicht irgendein Anhänger, nein. Es musste der legendäre Roland Jumbo sein. Mit Deckel. Den Deckel mit ein paar Scharnieren versehen und ein Riegel dran.
Mit Tesamoll noch ein wenig wasserdicht gemacht, fertig. Im nach hinein stellt man übrigens fest dass Tesamoll nicht tauglich für viel „auf und zu“ ist und angeschraubte Scharniere dafür sorgen dass sich das Holz des Deckels mit Wasser vollsaugt wenn man es nicht mit Gaffatape abdichtet. Sieht nicht schön aus, ist aber funktional und man will ja schließlich keine Modenschau gewinnen.
Da Bärbel zwar der Navigator aber nicht willens ist GPS Geräte zu bedienen, kaufen wir noch Kartenmaterial und treten in den ADAC ein. Man ist ja nun nicht mehr 18 und hat ein gewisses Sicherheitsbedürfnis. Allerdings nimmt einem so ein Sicherheitsnetz aber auch ein wenig des Abenteuergefühls. Aber was solls, man muss auch Kompromisse eingehen können.
Etappe1: Mit dem Auto bis Frederikshavn
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- Veröffentlicht am Sonntag, 28. August 2011 19:34
- Geschrieben von Super User
Tachostand: 2730Km
Einen Monatslohn ärmer sind alle Einkäufe getätigt und es kann eigentlich losgehen.
Schnell noch die Fähre nach Göteborg buchen und das Auto mit Mofas und Hänger beladen und ab geht die Post zur ersten Etappe bis Kropp noch kurz Schwesterchen besuchen, die es sich nicht nehmen ließ Proviant zu besorgen damit wir auch ja ein Butterbrot für unterwegs haben und dann bis Frederikshavn.
Das Auto geparkt, dank dem netten Mädchen von der Shelltanke umsonst, Mopeds ausgeladen und ab zum Fähranleger.
Hier packt Bärbel, während wir auf die Fähre warten, erstmal die Karten aus um ein wenig zu schauen wo es denn langgehen wird und ihr wird zum ersten Mal klar worauf sie sich eingelassen hat. Gut dass sie nicht vorher nachgesehen hat.
Etappe 2: Längs durch Schweden,Finnland und Norwegen ans Kap
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- Veröffentlicht am Sonntag, 28. August 2011 19:36
- Geschrieben von Super User
- 16.06.11 Göteborg bis Trollhattan
N 58° 17,598’
E 012° 17,832’
Tachostand: 2832Km
Göteborg ist vielleicht eine schöne Stadt aber man muss sich damit abfinden, dass in Stadtnähe die E45 eher einer Autobahn gleicht als einer Landstraße und man, egal wie man sie umgehen will, am Ende wieder auf ihr landet. Naja Augen zu und durch….Äh nein, Augen besonders weit auf und durch. Das Schild „für Traktoren, Fußgänger und Fahrradfahrer verboten“ lässt vermuten, dass es auch Mofas verboten ist auf Ihr zu fahren aber es gibt, auch nach langem Suchen, anscheinend nur diese Möglichkeit.
Ist man erstmal aus der Stadt entflohen wird die Strasse ein wenig gemütlicher und nach ein-paar-und-fuffzich Kilometern kommen wir in Trollhattan an.
Aus der M4 sifft ein wenig Getriebeöl. Das muss ich im Auge behalten.
Zelt aufbauen, Städtchen anschauen, eine Pizza kaufen die man nicht ganz auf essen kann, Heia machen.
Mitten in der Nacht ein hysterisches „Jörg, da ist was im Zelt!!!“
Gähnend sehe ich den Fuchs verschwinden der versucht hatte die Restpizza zu verdrücken.
- 13.06.11 Sjörtorp
N58° 53,205’
E 014° 00,731’
Tachostand: 2984Km
Der Getriebeölverlust macht mir ein wenig Sorgen. Deshalb rufe ich den Harald zuhause an. Der soll mal recherchieren woher das kommen kann.
Wir sind immer noch ein wenig unentspannt. Alles ist noch ein wenig neu und man weiß noch nicht so recht ob man der Technik trauen kann.
Auf dem Camping merken wir beim Kochen, dass wir das Salz vergessen haben. In der Pizzeria nebenan hab ich dann was geschnorrt....das wird garantiert 5 Wochen reichen…Danke lieber Pizzamann.
-14.06.11 Filipstad
N 59° 43,281’
E 014° 09,555’
Tachostand: 3095Km
Heute hats ordentlich geschüttet. Das ist der Laune erstmal nicht so zuträglich, weil man die ganze Zeit nur noch auf den Asphalt starrt und die schöne Gegend gar nicht so genießen kann. In Kristinehamn hört es auf zu regnen und gestärkt durch Hamburger und Pommes kommen wir bei Sonnenschein in Filipstad an. Stuga gemietet und erstmal das ganze nasse Zeug aufgehangen.
Schön hier. Man darf angeln, was ich dann auch gemacht habe. Allerdings nur Rotaugen gefangen. Die sind nicht so lecker um nicht zu sagen ungenießbar.
Bärbels Mofa hat genau keinen Tropfen Öl gefressen….sehr sehr merkwürdig. Ich vermute es liegt auch ein wenig am Fahrstiel. Heute waren wir eher langsam unterwegs. Ich habe beschlossen alle 50 -100 km nachzuschauen und gut ist. Ich glaube die Bärbel hat mehr Sorge deshalb als ich.
- 16.6.11 Sveg
N 62° 01,887’
E 014° 21,828’
Tachostand 3422Km
Das musste ja irgendwann passieren. Der erste platte Reifen kommt bestimmt. In diesem Falle mein Hinterreifen.
Flicken ging ganz flott. Feststellen musste ich, dass ich einen Planungfehler begangen hatte. Da ich keine neuen Mäntel und Schläuche zuhause aufgezogen hatte, weil die doch noch ganz gut aussahen, bekomme ich jetzt die Rechnung für meine Faulheit. Der Schlauch sieht echt mitgenommen aus….ist bestimmt schon 10 Jahre alt. Da ich blöderweise einen 16 Zoll Schlauch statt eines 17 zölligen eingepackt hatte, kann ich ihn auch nicht austauschen bzw. ich würde ihn im Zweifelsfalle draufwürgen…aber erstmal ist flicken angesagt. Bei der nächstgelegenen Tanke habe ich dann noch Reifenpilot für den Notfall gekauft.
- 17.6.11 Asarna
N 62° 38,258’
E 014° 22,264’
Tachostand: 3538Km
Man-o-meter 2 Pannen gehabt einmal mein Hinterreifen… wohl doch nicht so gut geflickt und der Anhänger. Wir brauchen dringend Schläuche. Das Gefühl kein Backup mehr in der Hinterhand zu haben trägt ein wenig zur Unentspanntheit bei. So fahren wir jeden Laden an der irgendwie nach Reifen aussieht und bekommen jedes mal die gleiche Antwort :“ 16 und 18 Zoll ja aber kein 17 Zoll!“ Ohje…..
Heute begegneten wir einer Menge netter Menschen die beteuerten, dass unsere Art des Reisens die einzig wahre wäre und vieler winkender Hände die uns Glück wünschten.
Das ist übrigens bemerkenswert. Es läuft immer auf die gleiche Weise ab. Ca. 50 -100000 mal. Die Fragen sind immer „wo kommt ihr her“ und „wo geht ihr hin“ und wenn man antwortet dass man ans Nordkap will, sagen alle aber auch wirklich alle „On those ???“ Außer bei Jenen die deutsch sprechen, die sagen „ Damit?“ Und dann wünschen einem alle mit bedauernden Gesichtern viel Glück. Dabei gibt es nichts zu bedauern. Die Langsamkeit erdet einen und man sieht viel mehr als man auf einem Motorrad oder in einem Auto sehen würde. Es ist schwer zu beschreiben dieses Gefühl des Glücks auf unseren Pferdchen durch die Prärie zu reiten. Man muss ein wenig auf sie hören und sie streicheln dann bringen sie einen langsam aber stetig überall hin. Man darf sie nicht überfordern und muß sie hegen und pflegen damit sie nicht schlapp machen aber das ist ja gerade das Wunderbare. Sie sind ein wenig wie lebende Dinger. Man muss nur hinhören und hinschauen und ihnen geben was sie brauchen. Hier ein wenig Öl und dort eine neue Zündkerze, die Kette ein bisschen nachspannen und die sich losrappelnden Schrauben nachziehen. Immer Vollgas im Leben tut auch jedem anderen Geschöpf nicht gut aber hin und wieder wollen sie auch mal aufdrehen was das Zeug hält. OK, das war jetzt ein wenig pathetisch…..
- 21.6.11 Strömsund und Vilhelmina.
N 64° 37,368’
E 016° 40,608’
Tachostand 3874Km
In Strömsund haben wir, nach gefühlt 100 Besuchen in irgendwelchen Läden, endlich neue Schläuche fürs Moped bekommen.
Ein Hurra auf den Kettensägenladen in Strömsund.
Wir hatten zwischenzeitlich sogar telefonisch den ADAC beauftragt zu recherchieren. Ich war schneller.
Mäntel und Schläuche für den Hänger zu bekommen war übrigens kein Problem. Einen 20 Zoll Kinderfahrradschlauch als auch den passenden Mantel dazu bekommt man an jeder Tankstelle und in jedem Fahrradladen.
Bei ordentlich Regen kommen wir in Vilhelmina an. In Vilhelmina gibt es total schöne Häuser, die man unbedingt gesehen haben muß (steht jedenfalls im Reiseführer). Wir aber mieten einen Geräteschuppen auf dem Camping. Die Stuga ist so klein, dass wir endlich ein Doppelbett haben, was in Stugas eher selten zu sein scheint. Hier lag es allerdings daran, dass die Decke zu niedrig war um ein Stockbett einzubauen. So besteht unser Geräteschuppen zu 80% aus Bett. Hier bleiben wir 2 Tage, da es auch am anderen Tag wie aus Eimern schüttet.
Zuhause nennen sie so etwas neuerdings Landregen….Scheißwort.
Ein Pausentag ist gut für die Seele und man kann angeln und Wäsche waschen und lesen und Hörbücher hören.
Am dritten Tag um 6:00 Uhr morgens hört es endlich auf zu Land-regnen und wir können endlich weiter.
- 22.06.11 Advidsjaur
N 65° 34,991’
E 019° 12,050’
Tachostand: 4102Km
Streckenrekord. Mann war das ein Ritt. Satte 228km sind wir gefahren. Und das ganz ohne Regen. Wir haben echte, freilaufende, wilde Elche gesehen bzw. eine Elchin mit 2 Jungen. Außerdem kreuzten die ersten Rentiere unseren Weg. Das war natürlich sehr beeindruckend für uns, da wir vorher noch genau kein freilaufendes Vieh irgendeiner Sorte zu Gesicht bekamen. Unsere Kaffeepause verbrachten wir in einem Samentipi bei Feuerchen, Rentierschinkenbrot und Trockenfleisch. Gar nicht schlecht…und so haltbar.
Gelernt haben wir, dass Rentierhaar innen hohl ist und deshalb so gut isoliert.
Schon interessant das traditionelle Samenleben.
- 23.06.11 Jokkmokk (Polarkreis)
N 66° 35,825’
E 019° 53,848’
Tachostand: 4265Km
So, da haben wir mal eben den Polarkreis überrollt. Dazu hat uns den ganzen Tag die Sonne auf die Helme geschienen und uns wird klar, dass wir seit Tagen den Regenkombi nicht mehr anhatten. Mal wieder habe ich den Hinterreifen geplättet. Diesmal haben wir den ca. 6-10 fach geflickten Reifen gegen einen funkelnagelneuen 17Zoll Schönheitsschlauch getauscht und das alte Ding seiner schon vor 10 Jahren fälligen Bestimmung, in einer Mülltonne zu liegen, zugeführt. Danke, treuer Schlauch. Die ewigen Jagdgründe sind dir sicher!
Jokkmokk hat einen schönen Campingplatz und die viel zitierte aber bis jetzt von mir als maßlose Übertreibung abgetane Mückenplage trägt zum ersten Mal ihren Namen zu Recht. In Jokkmokk wird morgen Mittsommer gefeiert. Es ist der Knaller, es ist 5 nach 12 h nachts und es ist Taghell. Später im Zelt beim heia machen wird die Bärbel mich noch bitten endlich das Licht auszuschalten, was mir trotz großen Anstrengungen nicht gelingen soll.
Die Mäntel vom Hänger sind bis auf das Textilgewebe runtergefahren, weshalb ich Dieselbigen schnell gegen die funkelnagelneu gekauften austausche, bevor wir so `ne Aktion wieder am Straßenrand erledigen müssen.
So, dann Nacht zusammen....wenn man das so nennen darf.
- 24.06.11 Gällivare
N 67° 07,723’
E 020° 40,296’
Tachostand: 4365Km
Bevor wir in Jokkmokk los sind erstmal schwimmen jenseits des Polarkreises. Gefühlte 0 Grad Celsius. Mach ich nicht nochmal.
Die neuen Reifen am Hängerchen laufen super. Mein Moped hat heute zündungstechnisch zum ersten Mal ein wenig gezickt, ging dann aber wieder. Hmmm Mal beobachten.
100 km weiter erfreuen wir uns einer erste Sahne Hütte mit Dusche und WC und sogar einer Glotze, die wir nicht anschalten. An einem riesigen Wasserkraftwerk sehen wir zum ersten Mal Schnee oder Eis. Es ist zwar relativ warm aber man merkt so langsam, dass man doch Richtung Norden fährt.
Da heute in ganz Schweden Mittsommer gefeiert wird, machen wir uns in ein Restaurant auf und bekommen tatsächlich neben lecker Happa auch endlich alkoholische Getränke. 2 Cocktails ein wenig Bier und Wein, schwupp 150 Euro los. Die spinnen die Schweden mit ihrer quasi Prohibition.....schön war´s trotzdem.
- 25.06.11 Karesuando
N 68° 26,047’
E 022° 30,953’
Tachostand: 4575Km
Rekordverdächtige 210 km lang haben wir heute unsere Hämorrhoiden gepflegt.
Vom Camping aus kann man schon Finnland sehen. Da muss man nur noch über ein Flüsschen hüpfen. Hier bekommt das Wort Mückenplage allerdings nochmal eine andere Qualität..... Kleine Scheisserchen.
Die Strecke war der Knüller. So was von Hochebene, Fjell, Prärie, Tundra oder wie man das auch immer nennt ...da bleibt einem die Spucke weg. Das muss man gesehen haben.
Allerdings war die Savanne erschreckend ruhig. Nur ein Rentier gesehen und die Leichen dreier weiterer Rentiere und die eines Raben kreuzten unseren Weg.
- 26.06.11 Kautokeino
N 68° 56,810’
E 023° 05,358’
Tachostand: 4720Km
Heute haben wir auf dem Weg durch Finnland Rentierfellsitzkissen für den Sattel erstanden und sofort geht am Po die Heizung an. Geil.
Die Mückenplage nimmt drastisch zu aber wir, die Mosquito Warriors, kämpfen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen an. Ich hoffe dass wir trotz chemischer Waffen der Genfer Konvention entsprechend handeln.
Die Mistviecher saufen sich an uns die Ärsche voll, während wir immer noch auf dem trockenen sitzen, zumindest was die Alkoholversorgung angeht.
Finnland haben wir dann kurzer Hand hinter uns gelassen und befinden uns nun in Norwegen und sehen das erste Mal das Meer!
4 Barsche habe ich geangelt, dank der Würmer eines netten Norwegers aus Oslo.
- 27.06.11 Alta
N 69° 55,654’
E 023° 16,389’
Tachostand: 4868Km
Die Fahrt heute war der Knaller. Etwas bergig. Man kam sich teilweise ein wenig wie im Rheintal vor und teilweise wie in Südtirol.
Langsam wird es merklich kühler. Bis zum Nordpol sind es laut Wegweiser auf dem Camping in Alta 1800 km während es bis Hamburg 2500 km Luftlinie sind.
In Norwegen lernt man zuerst dass Nahrung teurer ist als Gold. Jetzt heißt es erst die Vorräte vernichten und den selbstgefangenen Fisch braten.
Memo an mich: 100% des Laubwaldbestandes hier in der Gegend bestehen aus Birke. Schönen Gruß an die Allergiker zu Hause.
- 28.06 2011 Repvag
N 70° 44,466’
E 025° 39,706’
Tachostand 5034 km
Heute hat mein Moped die 5000Km Marke geknackt. Der Tag war exorbitant schön. Bärbel war kaum aufzuhalten und wollte immer weiterfahren, weil die Gegend einfach atemberaubend ist. Fjorde mit springenden Fischen, weite Hochebene, Rentiergruppen von 10 -15 Tieren und ein Tunnel der kalt, nass und unheimlich ist.
Zu allem Überfluss treffe ich den netten Norweger wieder mit dem ich 2 Tage zuvor geangelt hatte und er schenkt uns 2 erste Sahne frisch gefangene Lachssteaks. Das beste Stück Fisch was ich je gegessen habe.
Ich habe immer noch ganz heiße Wangen vom fahren in schönstem Wetter. Wir sind, wie fast jeden Tag, wieder vielen netten Menschen begegnet, die Mofafahrern gerne zuwinken und ihnen den gebührenden Respekt zollen.
- Skarsvag
N 71° 06,438’
E 025° 48,699’
Tachostand: 5115 km
Meine Fresse, ich wusste nicht dass es so viel Wind überhaupt geben kann. Da bekommt „Riders on the Storm“ eine völlig neue Bedeutung. Die Bärbel hat es zweimal vom Moped gepustet. Discordia sei Dank ist nichts passiert. Der Wind hat mir tatsächlich den Helm vom Kopf geblasen. Hätte nie gedacht, dass das überhaupt passieren könnte. Als die Bärbel aus dem Tunnel fährt hat sie genau Gegenwind und zwar so stark, dass das Moped nicht mehr genug Saft im Arsch hat und einfach stehen bleibt.....bei Vollgas....
Heute waren wir verdammte Helden!!!
Auf dem Weg gab es immer wieder winkende Motorradfahrer die natürlich den Ehrgeiz in einem wecken, der einen Vorwärts treibt. Danke dafür!
Der Plan, kurz in Honningsvag vorbei zu fahren um Passage auf dem Postschiff zu buchen, stellt sich als schwieriger heraus als gedacht. Außer einer 4500 € teuren Suite war nix zu machen.....und das die nächste Woche lang. Die nette Dame im Ticketbüro hat sich einen Wolf telefoniert bis sie dann doch eine Kabine anbieten kann. Da hatten wir wohl Glück dass ein anderer Mensch kurzfristig einen Rückzieher gemacht hatte. Puuuh 2 unentspannte Stunden, in denen wir uns schon auf dem Mofa haben zurückfahren sehen, später kam dann, Daumen hoch, ein Kabinchen für „kleines Geld“ 3 Tage später ist noch frei. Super! Besser konnte es nicht laufen. Jetzt haben wir genug Zeit um auf dem nördlichsten Campingplatz der Welt einzuchecken, mal runterzukommen von dem Windstress und uns in Ruhe das Neppkap anzuschauen.
Also fahren wir glücklich mit dem Ticket im Gepäck nochmal los bis nach Skarsvag, wo die Bärbel dann genau stolze 9999km auf der Uhr hat.
Total fertig lassen wir uns in der Hütte fallen, essen erstmal was und haben die schönste Mitternachtssonne der Welt.
- 30.06.2011, Nordkap
N 71° 10,182’
E 025° 46,994’
Tachostand: 5131 Km
Der Ritt bis zum Nordkap war nur noch ein Katzensprung. Geschafft. Der Blick auf´s Meer eröffnet den Blick auf das ewige Nirwana. Bei regnerischer Bewölkung sieht man nicht wo der Himmel aufhört und das Meer anfängt. Oben treffen wir Edda und Heinz Werner, Radfahrer aus Bielefeld, wieder die wir in Repvag kennengelernt hatten und die an dem Tag des Sturms nicht fahren konnten und deshalb ein Stück den Bus genommen hatten, wieder und lernen, dass die Windanzeige im Bus an dem besagten Tag 9-11 Beaufort betrug, was wenn man es genau betrachtet, eine ganze Menge sehr schnell bewegter Luft bedeutet. Nach einigen Fotos, netter Unterhaltung mit Edda und Heinz Werner kamen die Touristenbusse mit den Touristenpappnasen und wir knatterten dann mal wieder gemütlich Richtung Kirkeporten.
Wenn ich mir die Fotos so anschaue, fällt mir auf wie bescheuert man in so einem Regenkombi aussieht. Bisschen mehr Stil stünde dem ganzen Funktionszeug echt gut...außerdem hasse ich Partnerlook.
Erwähnenswert finde ich noch, dass in dem angeblich nördlichsten Fischerdorf der Welt ein Opel Rekord aus den 70ern rumsteht und auf dem Müll eine leere Kiste Eifelchampagner (Bitburger Pils) zu finden war und das jetzt ein wenig leere Gefühl, dass alles irgendwie vorbei ist. (Obwohl dieses Gefühl ein wenig voreilig war)
Etappe 3: Wunden lecken auf dem Postschiff zurück nach Bergen
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- Kategorie: Nordkaptour_bericht
- Veröffentlicht am Sonntag, 28. August 2011 19:36
- Geschrieben von Super User
- 01.07.11 – 06.07 Honningsvag -Bergen
N 70° 58,826’
E 025° 58,117’
Tachostand: 5172km
Heute sind wir zurück nach Honningsvag gefahren, weil das Schiffchen morgen früh um 6:15 losfährt. Jugendherberge ist teuer aber komfortabel. Erstmal einkaufen und tanken. Unmengen Nahrung, weil wir wissen, dass das Essen auf dem Schiff unverhältnismäßig hochpreisig ist und der Ticketkauf schon ein etwas größeres Loch in die Reisekasse gerissen hatte.
Als das erledigt ist, gammeln wir ein wenig in der Stadt rum und beobachten Touristen. Meine Güte entsprechen die den gängigen Klischees aber das ist eine andere Geschichte. Am Abend haben wir noch zwei nette Jungs kennengelernt, die bereitwillig den aus der Heimat importierten Schnaps mit uns teilten.
Am Morgen geht’s, nach wenig Schlaf aus Angst zu verpennen, aufs Schiff.
Die Kabine ist, wie auf Schiffen üblich, eher klein aber Liebende kann so was bekanntlich nicht schrecken.
Das Publikum auf so einem Schiffchen besteht aus ca. 100% Rentnern. Ein paar mehr Partypeople würden so einer Reise schon gut zu Gesicht stehen. Stattdessen finden leider nur Gespräche über das tolle Essen- und darüber wer den größten Fotoapparat besitzt statt. Wir erkunden also das Schiffchen.
Während ich unter der Dusche stehe sieht die Bärbel Schweinswale. Kleine ca. 150cm kleine delfinähnliche Wale mit kurzer Schnauze.
Essen bereiten wir in unserer 4 Sterne Kombüse in der Dusche zu. Der einzige Ort der nicht mit Rauchmeldern zugepflastert ist. Da kann man bedenkenlos den Gaskocher betätigen. Lecker Nudeln gehen da immer. Kaffee gibt es relativ preisgünstig als Endlosabo bis Bergen für schlappe 215 Kronen. Das erspart einem dann doch ne Menge Arbeit.
Man glaubt ja nicht was Rentner für ihr Fotoequipment ausgeben können. Ich habe Einen gesehen der original eine Flak vor sich hertrug. Am legendären Trollfjord, der wirklich eine Wucht ist, hetzen die Touries übers Deck und fotografieren was das Rohr hergibt. Ich glaube ich habe Objektive qualmen sehen.
Hier ist alles so entspannend, dass mir auf Deck in der Liege liegend die Zunge in den Hals fällt. Boah ist das langweilig! Wir freuen uns schon darauf wieder auf dem Bock sitzen zu dürfen um wieder durch die Pampa knattern zu können.
Um die 5 Tage abzukürzen:
2 Bücher später kommen wir endlich in Bergen an und dürfen wieder aufsatteln. Endlich!
Hier schauen wir uns ein wenig die Stadt an und treffen Monti und Annett, Bekannte die hierhin ausgewandert sind. Am Abend sitzen wir wieder auf dem Mofa und fahren noch bis Stord. Dort auf dem Camping kannte man die Schweizer Jungs noch die dereinst auch hier langgefahren zu sein scheinen.
